Für die moderne Anästhesie sind Periduralkatheter (auch PDKs oder Epiduralkatheter) ein wahrer Segen. Alle größeren chirurgischen Eingriffe in den Bereichen Thorax, Oberbauch, Unterbauch und unterer Extremität, die früher mit elendig schmerzgeplagten Patienten einhergingen, lassen sich mit der Kombination aus PDK und Vollnarkose meist sehr zufriedenstellend versorgen.

Einen Periduralkatheter anzulegen, erfordert ein wenig Courage und Geschick. Schließlich piekt man eine eher große Nadel in die Nähe einer eher sensiblen Struktur – dem Rückenmark.
Sinn der Übung ist es, im Vorgarten des Rückenmarks – nämlich im Periduralraum – mit dem Pieken aufzuhören, und genau hier den Katheter einzufädeln. Hierhin gespritztes Betäubungsmittel kann dann bequem über die Dura mater in den Liquor und durch die Foramina intervertebralia zu den paravertebralen Nerven diffundieren. Ergebnis: Schmerzlinderung im OP-Gebiet.

Hat man als Sandmann nun den PDK erfolgreich versenkt, muss man das gute Stück auch sichern und pflegen. Damit der kleine Katheter nicht wieder aus dem Rücken herausrutschen kann, kommen einige schlaue Tricks zur Anwendung: Das Tunneln des Katheters unter der Haut, das Annähen des Katheters an der Haut und das kunstvolle Fixieren mit Steri-Strips und Pflastern. Und damit der Patient in den Tagen nach der OP mit seinem Periduralkatheter nicht völlig allein gelassen bleibt, bekommt er täglich eine Schmerzdienst-Visite. Primär durchgeführt von kleinen Sandmännern.

Dass diese Visite auch ihre Berechtigung hat, hat mir mein letzter Dienst gezeigt. Hier eine kleine Sammlung von:

Sachen, die man mit seinem Periduralkatheter nicht machen soll

  • Mit dem Rasierer den Katheterschlauch abschneiden

Ein distinguierter Herr mittleren Alters, Zustand nach Bauchwandhernien-Repair war dank PDK schmerzfrei und glückselig. Samstagmorgens entdeckte er ein borstiges Haar auf seiner Schulter. Da er Körperpflege hoch priorisierte, und es im Krankenhaus ziemlich öde war, beschloss er, dem Haar mit seinem Nassrasierer den Garaus zu machen. Gesagt, getan: Er zückte den Rasierer und holte mit seiner rechten Hand zum finalen Schnitt gen linke Schulter aus. Das Haar verfehlte er. Dafür ging die Rasierklinge durch den ebenfalls dort befindlichen, sauber angeklebten Periduralkatheter wie ein heißes Messer durch Butter. Eine Weile versuchte er, zu ignorieren, dass ihm das Zeug aus der Schmerzpumpe nicht länger in den Rücken hinein- sondern am Rücken hinunterlief. Schließlich überwand er sich zur Berichterstattung. Ergebnis? Telefonanruf bei Frau Sandmann, die die Misere wieder richten durfte.

  • Am Schlauch ziehen

Eine Dame im fortgeschrittenen Alter, Tag 5 nach Knie-TEP beidseits, verspürte des Nachtens ein unangenehmes Jucken am Rücken. Da sie dort nicht mehr gut hingreifen und kratzen konnte, ließ sie sich etwas einfallen: Sie begann, an diesem praktischen kleinen Schlauch zu zupfen, der bequemerweise am juckenden Rücken festgemacht war. Das brachte Linderung. Nach einigen Stunden Gezupfe jedoch hatte sie jedoch in den frühen Morgenstunden plötzlich den ganzen Schlauch in der Hand. Ratet mal, wessen Telefon da klingelte…

  • Am diskonnektierten PDK eigenmächtig eine Infusion anschließen

Ein findiger junger Mann mit Colitis ulcerosa und Tag 6 nach Hemicolektomie befand sich mitten in seinem Auslassversuch. Das ist der Moment, in dem die Schmerzpumpe am PDK abgeschalten wird, um zu sehen, ob der Patient nun auch ohne PDK zurechtkommen kann. Denn das Ding kann ja nicht ewig drinbleiben. Nach einigen Stunden ohne Pumpe fühlte er sich bauchtechnisch doch ein wenig ungemütlich. Ohne große Lust nach der Schwester zu klingeln, nahm er die Sache selbst in die Hand. Nach seiner Auffassung hätte doch die Novalgin-Infusion, die ihm gerade in die Vene tröpfelte, sicherlich mehr Rumms, wenn er sie sich peridural applizieren würde. Halt so wie diese schöne Pumpe, die nun leider ausgeschalten war. Gerade als er dabei war, das Warnschildchen „PERIDURAL – KEINE INJEKTION!!!“ zu ignorieren, und zusammenzustöpseln, was nicht zusammengehört, betrat Frau Sandmann die Szene. Zum Glück konnte Schlimmeres verhindert werden.

Herzliche Grüße

Frau Sandmann