Vor kurzem stand ich neben einer Rektopexie.
Diesen unsäglichen Eingriff lässt man Patienten angedeihen, die einen
(oft altersentsprechend) erschlafften Enddarm besitzen. Damit verbunden sind Ausscheidungsprobleme, die einfach keiner haben will. Die Rektopexie entspricht dann quasi einem Enddarmlifting (Raffen, Straffen, Hochtackern) und soll den Weg nach außen wieder ebnen. Soweit, so gut.

Nachdem also der Enddarm unserer älteren Patientin gerafft, gestrafft und hochgetackert war, blickte man noch einmal orientierend im kleinen Becken umher. Dort befand sich indes ein weiteres, weibliches Organ, welches neben dem frisch gelifteten Enddarm nun geradezu schlapp und traurig herumhing. Es war die Vagina.

Und da man gerade so im Raffen und Straffen war, kam unter den Operateurinnen die konsequente Idee auf, die Vagina gleichfalls zu pexieren. Bis sich der operierende Oberarzt einschaltete und die Fragen aller Fragen stellte: „Wollt ihr das jetzt echt noch machen? Lohnt sich das denn? Ich meine…wie alt ist die Patientin?
BRAUCHT DIE IHRE VAGINA ÜBERHAUPT NOCH??!“

Die Antwort war ein mehrstimmiges, scharfes Einatmen von OP-Schwester, Springerin, den Operateurinnen und Frau Sandmann. Sensibel wie immer erfasste der Oberarzt den Stimmungsumschwung im Saal, überließ seinen Kolleginnen das weitere Straffen und ging seiner Wege.

Szenenwechsel:

Prämedikationsambulanz, Aufklärung einer anderen freundlichen Seniorin für einen kleinen urologischen Eingriff.

Am Ende unseres Gesprächs war die betagte Dame fast schon zur Tür hinaus, kehrte dann noch einmal um, reckte mutig das Kinn hervor und meinte: „Frau Sandmann, ich hab doch noch eine Frage.“
„Immer raus damit“, meinte ich, und bot ihr erneut ihren Platz an.
„Also…wissen Sie…nach dieser Operation. Wie lang muss ich denn da verzichten? Also…auf den Geschlechtsverkehr…?“

Ich musste gestehen, dass ich das auch nicht genau wusste, griff aber zum Telefon und informierte mich beim zuständigen Urologen.

„Drei bis vier Wochen sollten Sie pausieren, danach ist alles wieder erlaubt“, informierte ich meine Patientin, die während des Telefonats nervös an ihren Nägeln gekaut hatte.

„Gott sei Dank, mir fällt ein Stein vom Herzen!“, strahlte sie mich an. „Ich dachte schon, ich müsste jetzt monatelang warten! Wissen Sie, beim Herrn Doktor Wassermann war es mir peinlich zu fragen. Aber jetzt bin ich froh! Vielen Dank Frau Sandmann.“

„Nix zu danken“, meinte ich. „Es ist ja schön, wenn man ein erfülltes Eheleben hat…“

„Nein, nein“, unterbrach sie mich energisch. „DAS hab ich nicht. Aber ich habe viele Bekanntschaften…“

Sprachs, grinste mich verschwörerisch an, schnappte sich Handtasche und Rollator und verließ ziemlich beschwingt mein Ambulanzzimmer.

Und die Moral von der Geschichte: Lass nicht den Oberarzt entscheiden, wer seine Vagina noch braucht und wer nicht 😉

Beste Grüße

Frau Sandmann